die Guten, die Schlechten und die Unentschlossenen… #edcmooc

… so könnte man die Gesellschaft nach Ihrer Meinung über neue Technologien einteilen. Also die, die eine gute, eine schlechte oder unentschlossene Meinung haben. In der ersten Woche des EDCMooc ging es vor allem um einen Blick in die Vergangenheit. Wir haben uns vor allem mit der Frage befasst, wie verschiedene Quellen die digitale Entwicklung beurteilen, ob sie es eher utopisch oder dystopisch sehen. Und wie unsere eigene Haltung dazu ist. Auch wenn man glauben könnte, Menschen, die einen online Kurs belegen, haben keinesfalls eine negative Meinung über die Entwicklung, so gibt es doch ein paar feinere Facetten, die sich herausgestellt haben. Am Ende meines Artikels habe ich weitere Blogs von anderen Kursteilnehmern verlinkt.

Eine kurze (englische) Erklärung, was genau unter utopischer und dystopischer Sichtweise versteht:

Utopian claims Dystopian claims
Information technologies based on electronic computation possess intrinsically democratizing properties (the Internet and/or worldwide web is an autonomous formation with ‘in-built’ democratic properties or dispositions). Information technologies possess intrinsically de-democratizing properties (the Internet and/or worldwide web is an autonomous formation with ‘in-built’ anti-democratic properties or dispositions).
Information technologies are intrinsically neutral, but inevitably lend themselves to democratizing global forces of information creation, transfer and dissemination. Information technologies are intrinsically neutral, but inevitably lend themselves to control by de-democratizing forces (hardware and software ‘ownership’ equals anti-democratic control).
Cyber-politics is essentially a pragmatic or instrumental task of maximizing public access to the hardware and software thought to exhaustively define the technology in question. Cyber-politics is essentially one of resisting and perverting the anti- democratic effects of the technology in question.

Als Gedankenanstoss gab es folgende Videos:

1. Bendito Machine III:

Dieser Kurzfilm erzählt die Geschichte der technischen Entwicklung als eine Geschichte der Anbetung und Ritualisierung. Jede neue Technik wird bejubelt und gefeiert. Vorherige, jetzt veraltete Technik wird sofort bereitwillig entsorgt, es gibt bereits eine riesige Müllkippe, auf der sich immer mehr stapelt.

Was mir aufgefallen ist: Die Menschen unternehmen ja große Anstrengungen, um an die vergötterte Technik zu kommen (gleich zu Beginn, in den ersten 20 Sekunden, kämpft sich das Menschlein sehr angestrengt den Berg hoch). Ebenso ist es anstrengend, die alte Technik los zu werden, sie muss zum Schrottplatz getragen, gezogen werden. In 1:54 werden die ersten Menschen überrollt. Um die kümmert man sich aber nicht. Na gut, man schaut zusammen Fußball an und macht Gymnastikübungen, aber auch da bekommen wieder die Menschen einen Tritt ab. Überhaupt ist nicht viel menschliche Interaktion zu sehen, der Film stellt eine deutlich negative Sicht gegenüber der Technologie dar, dass sie uns entmenschlicht und voneinander entfernt.
In Minute 4:11 flieht einer der Menschen um erneut auf den Berg zu klettern, es ist Zeit für ein neues Objekt der Anbetung, das das alte wieder ablöst. Auch dabei werden wieder Menschen von der Technik geplättet. Und noch eines wird drauf gesetzt. In Minute 5:52 ist nicht einmal mehr ein Mensch zu sehen. Das Gerät steht alleine im Mittelpunkt. Am Ende des Films sieht man nur noch den riesigen Schrotthaufen. Und das ist es, was der Film uns sagen will, dass das vielleicht wirklich alles ist, was von uns und unseren tollen Erfindungen bleibt: ein Haufen Schrott. Als Schlußmelodie läuft sehr bezeichnend nur noch der Werbe-Jingle für Esso, ich verstehe das als Anspielung darauf, dass die Technologie auch immer Ressourcen verbraucht und dass diese nur in endlichem Ausmaß vorhanden sind.

Der Film hat eine klar dystopische Aussage.

2. Inbox

Der zweite Film kommt sehr viel lebendiger daher: Menschen und ihre Emotionen stehen offensichtlich im MIttelpunkt. Schon in 0:30 gibt es den ersten Blickkontakt zwischen zwei Menschen, aber das Mädchen wirkt einfach nur genervt. Der junge Mann mit der Brille bringt uns zum Schmunzeln, als er durch seine Ungeschicklichkeit die Unterhosen herunterwirft, die er eigentlich kaufen will. Überhaupt scheint er sehr unsicher zu sein, es bringt ihn in Verlegenheit, dass er die Unterwäsche an der Kasse wohl nicht in eine Einkaufstüte verstecken kann. Wie rettend erscheint da die verlockend rote Geschenktüte!

Zuhause angekommen, stellen sowohl das Mädchen als auch der Junge fest, dass sie etwas falsches in der Tüte haben. Während der Junge den Teddy verwundert betrachtet, wirft das Mädchen die männlichen Unterhosen sogar erst einmal von sich. Zu Männern scheint sie keinen guten Bezug zu haben, im Laden war sie genervt vom Blickkontakt, zuhause war sie genervt von den Nachrichten im sozialen Netzwerk. Und dann hält sie eine Unterhose für Männer in ihren Händen, wo sie lieber das kindliche Kuschel-Attribut Teddy gehabt hätte.

Nachdem aber die Unterhose aus der Tüte plötzlich verschwindet, „sendet“ sie noch mehr Gegenstände. Eindeutig weibliche Gegenstände, da bei dem Jungen erst einmal nur Kosmetika ankommen… Er schickt ihr ihre Sachen zurück und damit beginnt die Kommunikation der beiden. Jetzt erfährt man auch endlich seinen Namen, der junge Mann heißt Karthi. Ihrer ist Priya. Da sie ihm mitteilt, dass sie sich langweilt, nimmt er den Appell an und beschäftigt sie, mit einem Kartenspiel. So einfach ist das, sie äußert ein Bedürfnis und es wird erfüllt. Übrigens mache ich an dieser Stelle gern darauf aufmerksam, dass gemeinsames Spielen überaus positive Auswirkungen auf die soziale Kompetenz und die Kommunikationsfähigkeit hat.

Und schließlich können beide ihre Hemmungen überwinden, sie trauen sich, sich in Echt zu treffen. Karthis ist dabei so enthusiastisch, dass er leider die Tüte beschädigt. Da es ja um den Umgang mit Technologie geht, verstehe ich den Riss in der Tüte als Symbol dafür, dass das Gerät, das zur Kommunikation benutzt worden ist, beschädigt, zerstört oder verloren gegangen ist. Das kann konkret das Smartphone oder Tablet sein, welches heruntergefallen ist, es kann etwas abstrakter die Internetverbindung sein, die zusammenbricht. Jedenfalls ist plötzlich keine Verständigung mehr möglich, weil man sich so auf die technische Ausstattung verlassen hat dass man vermeintlich gar keine anderen Wege mehr hat, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Aber es ist möglich! Karthi geht hinaus aus seiner Wohnung, hinaus ins richtige Leben und es dauert nicht lange, bis er Priya gefunden hat. Die kaputte Tüte brauchen sie nun nicht mehr, um sich auszutauschen. Vielleicht ist die auch deswegen kaputt gegangen weil sie nicht mehr benötigt wird und weil es an der Zeit war, den echten, persönlichen Kontakt zu suchen.

Ich sehe die Tüte als Symbol für das Internet: Man kann sich mit anderen austauschen, oberflächlich wenn man möchte oder auch intensiver, wenn man merkt dass jemand ähnliche Interessen hat. Es macht vieles möglich, was es sonst nicht gäbe. Aber ich bemerke auch eine leise Kritik: Mensch, verlass Dich bitte nicht nur auf die Technik. Das macht den Film zu einem hauptsächlich utopischen Werk mit leicht dystopischem Beigeschmack.

3. Thursday

In diesem Film geht es um das Zusammenspiel (oder auch das Gegenspiel) von Natur und Technik. Ähnlich wie in Bendito Machine gibt es keine menschliche verbale Kommunikation. Der Sound besteht nur aus tierischen und technischen Lauten. Menschliche Kommunikation beschränkt sich auf das Senden von SMS. Ob privat oder beruflich: Der Mensch ist den Großteil des Filmes für sich alleine. Erst an der U-Bahnstation gibt es einen physischen Kontakt. Ach nein, selbst der scheint unmenschlich zu sein, die Assistentin nimmt die Hand des Mannes, haucht sie an und rubbelt sie, so wie man es früher an Automaten mit Münzen gemacht hat.

Der Kontakt zwischen dem Mann und der Frau scheint auch nur ganz kurz möglich zu sein, außerirdische Umstände braucht es, um sich ganz entspannt zu fühlen und Händchen zu halten. Dann müssen sie auch schon wieder zurück. Der nächste Morgen scheint wie jeder andere, aber der Mann wacht nicht alleine auf… Nach der offenbar schönen Erfahrung folgt aber auch gleich wieder ein trauriger Moment. Zuerst denkt man, dass der Vogel gestorben ist und das Ende des Films könnte tatsächlich diese Szene sein, in der der Mensch sich im Auge des Vogels spiegelt. Als er sich in der Natur wiedererkennt. Tatsächlich ist die Schlußszene aber die, in der der Vogel wieder aufsteht und fröhlich mit den anderen davon fliegt.

Ich habe lange darüber nachgedacht ob die Hauptaussage des Films nun in Richtung Utopie oder Dystopie geht. Ich denke, in diesem Fall ist es wirklich irgendetwas dazwischen.

4. Newmedia

Der Film geht sogar noch weiter als Bendito Machine: Man sieht gar keine Menschen. Wohl ihre Häuser aber man sieht nur, wie dicke, technische Leitungen hinein gehen (oder hinaus gehen, was dann schon die Assoziation mit einem riesigen Sci-Fi-Monster bringt, welches sich im Haus verschanzt hat und auf Beute lauert und dessen Tentakeln bedrohlich aus den Fenstern dringen). In Minute 1:30 schließlich ein Fernseher. Das ist doch ein Zeichen, dass da Menschen sind, oder? Doch der Mensch, den man dann sieht, ist reduziert auf seine Augen, mehr sieht man nicht von ihm und vielleicht gibt es auch nicht mehr von ihm. Er blickt apathisch in die düstere Welt, verbunden mit einem dicken Kabel.

Eine gruselige Vorstellung, eindeutig dytopisch, da keinerlei Vorteil durch die Technik suggeriert wird.

Ich selbst denke, dass es immer darauf ankommt, was der Mensch aus der Technik macht. Die Technik zerstört nicht von alleine soziale Kontakte. Nur dann, wenn wir uns kein „richtiges“ Leben mehr erlauben. Ich mag eigentlich auch gar nicht mehr unterscheiden, zwischen echtem und digitalem Leben. Denn alles, was passiert, gehört doch zum Leben dazu und man erfüllt seine soziale Rolle und die sozialen Bedürfnisse als Mensch auch mithilfe (und manchmal trotz) der technischen Mittel. Aber eben nicht nur und das ist die Botschaft, die ich aus diesen Filmen mitnehme. Technik alleine erzeugt aber auch keine sozialen Kontakte. Der Mensch muss es auch wollen, er muss willentlich die Technik dazu benutzen. Nicht nur im menschlichen Umgang, auch, was Lernen und Arbeiten anbetrifft.

Und ein letztes Video noch, was eine gute Überleitung zum Blick in die Zukunft ist:

Wie empfindet Ihr die Entwicklung in der technischen und digitalen Welt? Bedrohlich? Inspirierend?

Read this in English? *click*

Noch mehr Material:

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Ein Gedanke zu „die Guten, die Schlechten und die Unentschlossenen… #edcmooc

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