Ich dachte ich wäre ein Optimist… #edcmooc

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Die zweite Woche des EDCMOOC: wir blicken in die Zukunft. Was man eigentlich immer macht. Denn die Zukunft ist immer das, was sofort nach Ablauf des Jetzt beginnt. Also ständig und immer sind wir der Zukunft ausgesetzt. Obwohl oder gerade weil sie unausweichlich ist, ist die Zukunft ist sehr beliebt:

Zukunft_GoogleIm Kurs geht es in Sachen Zukunft natürlich besonders Zukunft_ixquickum die Technologie, die unser Lernen, unser Arbeiten und unser ganzes Leben unterstützen und beeinflussen werden. Im Blic in die Vergangenheit wurde das Thema ja teilweise eher abstrakt betrachtet aber in den folgenden Filmen sind schon sehr konkrete Ideen vorgestellt:

1. A day of glass

Meine Lieblingsszenen:

  • 0:41 das Tagesoutfit am Bildschirm zusammenstellen statt alles aus dem Schrank zu kramen und dann doch nicht anzuziehen. Hilft, Ordnung zu halten!
  • 0:35 eine Kalenderübersicht, meine würde ich allerdings im Bad oder in der Küche haben wollen. Ich schätze, technisch ist das kein Problem 🙂
  • 1:40 Photovoltaik-Anlage: toll, immer her damit, nicht bis zur Zukunft warten
  • 3:10 Dateien wirklich „rüberschieben“ können, das spart Zeit und erleichtert die Arbeit.
  • 4:49 Tierspuren erkennen mit augmented reality

Einiges kann ich mir durchaus vorstellen und würde es gerne benutzen. Besonders, wenn es nicht nur daraus hinausläuft, mehr Zeit mit technischem Spielzeug zu verbringen und dadurch zum Stubenhocker zu verkommen, sondern wenn es mir hilft, mein Leben aktiv zu gestalten und meine Umwelt besser wahrzunehmen. Technik, die mir zuverlässig helfen würde, die essbaren von giftigen Pilzen zu unterscheiden – das wäre wirklich praktisch. Oder die mir beim Schuhe kaufen verrät ob sie wirklich zum Kleid im Schrank zuhause passen.

Ebenfalls empfehlenswert ist das erweiterte Video mit weiteren Erläuterungen:

Auch das zweite Video sehe ich noch ganz positiv, allerdings kamen mir dabei erste Bedenken. Aber seht es Euch erst einmal an:

2. Productivity Future Vision

Meine Lieblingsfunktionen:

  • 0:13 eine Übersetzungsbrille. Ein Babelfish zur äußerlichen Anwendung!
  • 0:36 Augmented Reality Navigation – aus ganz persönlichen Gründen mein Favorit
  • 0:50 elektronische Notizzettel – und ich dachte, ich bin total modern weil ich Evernote benutze! Da kann ich nämlich auch Fotos / Namen und Notizen dazu speichern. Aber nicht ganz so elegant wie im Film.
  • 3:14 wie Videokonferenzen, nur in cool
  • 4:46 die klassische Küchentafel für Terminplanung, Nachrichten, Einkaufsplanung, in modern, alle können mitmachen. Ich bin ein potentieller Kunde!

Alles schön, alles durchdesignt. Aber was kostet das alles? Wer kann sich das leisten? Wie sieht es für Schulen aus, die nicht auf die technischen Mittel zurückgreifen können? Weil sie keine finanziellen MIttel zur Verfügung haben? Wird es Förderung durch die Hersteller geben? Und wer entscheidet dann über den Unterrichtsstoff? Wieviel Prozent der Menschen auf diesem Planeten werden tatsächlich Zugang zu diesen Technologien haben? Auf Youtube hat jemand kommentiert:

Productivity_comment1

und in einer anderen Diskussion hat jemand geschrieben „Oh, es wird also in 2020 noch Kuchenverkauf in den Schulen geben, wie schön“. Neu ist toll aber gewohnt ist besser? Mir wurde etwas flau als ich mich bei dem Gedanken erwischt habe. Ich sehe mich doch als modernen und aufgeschlossenen Menschen. Und trotzdem sehe ich manches kritisch.

Manches ist mir sogar etwas unheimlich, zum Beispiel der nächste Film:

3. Sight

  • In Minute 0:57 bin ich erschrocken. Die Augen!
  • 2:31 heißt modernes Leben, dass wir keine Fotos mehr von unseren Familien, unseren schönsten Urlauben oder Bilder unserer Lieblingskünstler an der Wand haben? Ist das alles nur noch in unserem Kopf? Ich fürchte, ich bin total unmodern…
  • 3:36 Live-Coaching, wie nett. Wenn man nicht mehr selbst denken und die Konsequenzen verantworten muss sondern man die Lösung „direkt vor Augen“ hat…
  • 5:48: Endlich ein Bild! Van Gogh auch noch, oder ist das nur, um Sie zu beeindrucken?
  • 6:15 „Sight is not responsible and will not refund unsuccessful romantic endeavors“ Also, wer ist denn dann verantwortlich dafür, dass dieser Abend daneben lief? Er selbst, weil er eine Dating-App benutzt und sich auf sie verlässt? Sie, weil ihr klar war, dass er „Sight“ benutzt und nichts von der App ahnte? Sie hatte darauf vertraut dass er verantwortungsvoll mit seiner technischen Ausstattung umgeht und nun fühlt sie sich hintergangen…
  • 6:38 ohne Worte!

Ich habe eine starke Abneigung gegen „Sight“ weil es eine Erweiterung des Körpers ist. Eine technische Manipulation.

Augmented reality - heads up display concept

Augmented reality – heads up display concept (Photo credit: Wikipedia)

Das sind normale Sehhilfen auch (Brillen, Kontaktlinsen). Das sind Prothesen anstelle fehlender Körperteile auch. Niemand würde ernsthaft behaupten, dass diese Dinge schlecht sind. Natürlich kann man nun argumentieren dass eine technische Hilfe wie „Sight“ auch nichts anderes ist. Vielleicht ist nichteinmal die Benutzung der App verwerflich, die live in der Situation Tipps gibt, das eigene Verhalten erfolgreich zu steuern. Denn wenn jemand geringe soziale Fähigkeiten hat und das Defizit wäre so groß dass es als Krankheitsbild anerkannt würde – wäre es nicht toll, wenn dieser Mensch die Chance hätte, mit einer App für Sozialverhalten besser in die Gesellschaft integriert zu werden? Er könnte nachholen, was in der kindlichen Sozialisation eventuell verpasst wurde oder schiefgegangen ist. Aber wo hört die medizinisch notwendige Unterstützung auf, die in der Gesellschaft eine breite Unterstützung erfährt? Und wo fängt unlauteres Body-Tuning an, mit dem sich andere Menschen sogar manipulieren und täuschen lassen? Es ist eine ethische Diskussion, die hier geführt werden muss. Wenn ich sehe, wie uneinig man sich ist über die Notwendigkeit medikamentöser Behandlung von AD(H)S, von Depressionen und anderem in unserer Gesellschaft, denke ich dass noch einiges auf uns zukommt.

4. Charlie 13

http://futurestates.tv/episodes/charlie-13

Ich bin Dein Vater! Während die alleinerziehende Mutter ein konformes Leben führt und dies auch von ihrem Sohn erwartet, lernt der unerwartet, dass es außerhalb des Zaunes noch eine andere Welt als die ihm bekannte gibt. Die Injektion des Chips ist eine Art Initiations-Ritus, den Charlie aber nicht als Aufnahme in die Welt der Erwachsenen annehmen kann. Vielmehr würde es ihn dauerhaft von seinem Vater entfernen. In Minute 12:13 verspricht der Cop, dass Charlie für immer sicher sein wird und nie vor etwas Angst haben muss. Charlie hat Level „keine Angst“ aber schon erreicht und ist dadurch – nunja, weiter als die Erwachsenen, die sich einfach in das System gefügt haben; oder begibt er sich nur unüberlegt in die gefährliche Rolle des Außenseiters?

Mit anderen Kursteilnehmern habe ich darüber gechattet, wie weit man gehen würde. Wie viel Privatsphäre würde man zugunsten von mehr Sicherheit aufgeben. Soll man auf jeden Fall dagegen rebellieren? Oder profitiert man davon und soll man mitmachen? Wie lange? Was ist ok und was bringt nichts, außer eben ständig überwacht zu sein. Aber nicht bewacht, im Sinne von beschützt. Kameraüberwachung z.B. wird hier und da kritisch diskutiert. Machen wir uns dadruch nicht noch verletzlicher und angreifbarer?

5. Plurality

Gefällt mir:

  • 0:46: der Fingerabdruck als Auto- oder Hausschlüssel
  • insgesamt die ganze Technik, wie sie auch schon in den anderen Filmen verwendet wird.

Gefällt mir nicht:

  • 1:10 „You can’t do anything without the Grid knowing…“ Das hört sich doch nach 1984 an, oder?
  • 1:50 eine wichtige Frage zur Privatsphäre wird gestellt, aber nicht beantwortet…

Sight, Charlie 13 und Plurality haben mich in die Welt der Shadowrun Bücher zurück versetzt, auf die mich mein früherer WG-Mitbewohner aufmerksam gemacht hatte (Danke, Michi!). Sie gehören dem Genre Fantasy und Science Fiction an. Doch beim Lesen erkannte ich einiges in diesen fantastischen Geshcichten wieder, was ich in den Medien schon gehört hatte (z.B. Konzerne ersetzen politische Organe, ein ID- und Zahlungssystem, das aber auch ermöglicht, jeden Benutzer genau zu verfolgen… Also dieselbe, wiederkehrende Problematik: mitmachen, weil es vermeintlich nicht anders geht? Oder verweigern und bestenfalls als sturköpfiger Freak gelten? Schlimmstenfalls als illegales Element, das ausgeschaltet werden muss?

Zukunft

Weiteres Material:

Und es gibt noch mehr:

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Ein Gedanke zu „Ich dachte ich wäre ein Optimist… #edcmooc

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