Mensch+ #edcmooc

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Während sich der E-Learning and Digital Cultures Kurs in der letzten Woche noch hauptsächlich dem Humanismus gewidmet hat, ging es diese Woche schwerpunktmäßig um posthumane Aspekte.

Was ist Posthumanismus? Auszug aus Wikipedia:

Posthumanismus nennt sich eine Philosophie, die sich als nach-menschlich betrachtet und in deren Zentrum die Idee der Unsterblichkeit in der Virtualität steht.

Im Gegensatz zum klassischen Humanismus wird dabei die besondere Stellung des Menschen negiert und er als eine unter vielen natürlichen Spezies dargestellt. Daraus wird u.a. geschlussfolgert, dass der Mensch auch nicht das Recht hat, die Natur zu zerstören oder sich selbst als ethisch höherwertig zu betrachten. Außerdem wird das menschliche Wissen auf eine weniger kontrollierende Position reduziert, seine Einschränkungen und die Fehlbarkeit des Menschen werden verdeutlicht.

Film 1: Robbie (8:45)

Der da spricht, ist Robbie. Robbie ist kein Mensch. Oder? Ist er nur menschen-ähnlich? Macht es ihn zum Menschen, dass er über Menschen nachdenkt? Dass er ihre Gesellschaft mag und sich für sie interessiert? Macht es ihn menschlich, dass er seine letzte Energie für die Bitte aufwendet, dass man ihn wieder anschalten (aufwecken!) möge. Oder ist er trotzdem nur ein Roboter? Ein Gerät? An mehreren Stellen im Film ist erkennbar, dass die Menschen sich nicht so viel aus ihm machen wie er sich aus ihnen. Man sieht ihn als Ding, wenn auch in leicht humanoider Form, mit der Fähigkeit sich verbal zu äußern, mehr nicht. Helen hat in ihrem Blog die Frage gestellt:

„So if you are not treated as human by others does this mean you are not human?“

Was würde das für unsere Gesellschaft bedeuten? Wenn unmenschlicher Umgang einen gleichzeitig auch entmenschlicht?

In seiner Vorstellung wird Robbie in einen Sarg gelegt, ganz wie ein Mensch, sogar die Pose der Hände ist nachempfunden. Aber kann jemand sterben der nicht lebendig war? Oder der zumindest nach unserer Definition kein Lebewesen ist?

Und wenn ein Roboter an Emotionen leidet, kann man ihn heilen? Gibt es chemische Möglichkeiten wie Tabletten? Oder ist es ein rein technisches Problem, muss die Platine getauscht werden? Ist die Emotion an sich ein Fehler, der zu Fehleinschätzungen und Leistungsveränderungen führen kann? Heißt das, dass das was uns einzigartig macht, gleichzeitig das ist, was uns fehlerhaft macht? In Kürze: Genügen unsere eigenen ethischen und moralischen Standards auch zukünftig noch?

Film 2: Gumdrop (8:05)

Ähnlich wie Robbie, jedoch ohne beklemmende Gefühle. Im Gegenteil, Gumdrop kommt erfrischend positiv rüber und macht Spaß. Bei beiden Filmen fühlte ich mich sehr an Nummer 5 erinnert.

Film 3: True Skin (6:12)

Ein weiterer Film den ich persönlich eher der Grusel-Schublade zuordnen würde. Bis zum Schluß jedenfalls. Faszinierend finde ich die Idee schon, eine Sicherheitskopie von Wissen und Erinnerungen anzufertigen. Aber auch hier stellt sich die grundsätzliche Frage: Was macht uns als Person aus? Ist das alles? Wo steckt die Seele? Würde jemand all das Wissen, die Erfahrungen und Erinnerungen von mir „herunterladen“, wäre er dann ich? Wohl kaum. Ich denke nicht, dass man den spirituellen Gedanken der Unsterblichkeit auf so pragmatische Themen herunterbrechen kann. Vielleicht würde mein Wissen konserviert und wäre weiterhin für andere nutzbar. Aber mein Ich, mein Selbst, das wäre verloren.

Film 4: Avatar Days (3:54)

Ich war ganz nebenbei angenehm überrascht, als ich einen sehr vertrauten Dialekt gehört habe und entdeckt habe dass der (reale) Teil in Dublin gedreht wurde. Ich habe dort einige Jahre gewohnt und habe einges im Video wiedererkannt. Meine Lieblingsszenen, auf den Inhalt bezogen:

Minute 1:00 erinnert mich an eine frühere Arbeitsstelle, Büro mit Callcenter-Charakter. Mir gefällt sehr gut, dass in dieser Szene nur das Horn der WoW-Figur über die Trennwand schaut. Den Mensch sieht man gar nicht. Das ist sehr bezeichnend undkönnte symbolisch für diese Arbeitswelt stehen. Aber vielleicht definiert sich jemand mit so einer Arbeit eben gerade dann als Person, als Mensch, wenn er virtuell im Spiel mit anderen interagiert, statt alleine in seinem Büro-Quadrat eingesperrt zu sein. Kann man online lebendiger sein als offline?

Und ab Minute 3:17: „Im richtigen Leben, kann man so hart arbeiten wie Du willst und Du wirst nicht immer die Anerkennung dafür bekommen, die Du verdient hast!“. Und im Spiel erhält man regelmäßig Anerkennung Geschenke. Man hat Erfolgserlebnisse und spielt deswegen gerne wieder.

Dazu passt auch gut dieser TEDtalk, der zwar schon älter ist, den ich aber erst neulich gesehen habe:

Ein direkter Bezug zu posthumanistischen Gedanken wird zwar nicht hergestellt aber auch beim Spielen stellt sich die Frage, wie weit man gehen will? Kann man durch technologische Veränderungen des Körpers das positive Spielerlebnis noch verbessern? Oder ist es ein Tabu?

Weiteres Material (wenn Ihr keine Zeit habt, alles zu lesen, dann möchte ich Euch zumindest den Artikel Carr: Is Google making us stupid? empfehlen weil man vieles darin wiedererkennt):

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Ein Gedanke zu „Mensch+ #edcmooc

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